Hunde in jeder Lebenslage

Welpen und orale Toleranz

Bei der Geburt der Welpen haben diese keine großen Energiereserven. Sie kommen ohne viel Körperfett zur Welt und ziehen ihre Energie erstmal aus dem Glykogenspeicher in der Leber. Dieser reicht bei einem normalen, gesunden Welpen für 8-10 Stunden. Bei Frühgeburten und kranken Welpen weniger. Das pendelnde Suchen nach der Mutter und dem Gesäuge so wie der Saugreflex ist angeboren und muss nicht erlernt werden. Die Muttermilch versorgt die Welpen dann mit den notwendigen Nährstoffen für das Wachstum und mit maternalen Antikörpern, die den kleinen Körper in den ersten Lebenswochen (bis zu Monaten) vor Krankheiten schützt.

Sobald der Welpe abgesetzt wird (meistens mit der 4. Woche), muss er sich an neue Lebensmittel und Nährstoffe gewöhnen. Die orale Toleranz ist ein Mechanismus des Immunsystems, der verhindern soll, dass Allergien ausgebildet werden. Der Körper lernt Nahrungsmittel als Nährstoffe zu erkennen und ihm quasi einen „akzeptiert“-Stempel aufzudrücken. Das ist aber ein Problem, wenn zu viele Nahrungsmittel auf einmal in der Blutbahn sind. Das Erkennungssystem ist überfordert und gibt auf, eine orale Toleranz findet dann nicht statt. Vergleichen kann man das mit einem Restaurant.  Trudeln die Besucher nach und nach ein, bestellen sie an aller Ruhe und in der Küche wird mit ganz viel Liebe das Essen zubereitet. Jeder bekommt was er möchte, bezahlt und geht wieder. Kommen alle gleichzeitig herrscht Chaos. Falsche Bestellungen, verbrannte Gerichte, unzufriedene Kunden und zu allem Überfluss gehen manche auch noch, ohne bezahlt zu haben. Die Konsequenz daraus kann sein, dass der Koch alles hinschmeißt und einfach kein Essen mehr kocht.

Auf diesem Gebiet gibt es ganz bestimmt noch viel Forschungsbedarf. Ich bin mir aber sicher, dass hier der Grundstein für einen gesunden, robusten Hund gesetzt wird. Und zwar indem man dem Hundekörper ein Nahrungsmittel nach dem anderen „vorstellt“.

Schauen wir uns nun ein konventionelles Trockenfutter an. Dieses Futter existiert auf dem Markt und wird explizit zur Entwöhnung empfohlen:

Bei dieser Art von Deklaration handelt es sich um eine geschlossene Deklaration. Der Käufer hat keine Ahnung wie viel von was drinnen ist. Reis und Mais ist für Welpen erstmal unverdaulich und belastet den Magen-Darmtrakt. Was für ein Tier für das Fett verwendet worden ist – keine Angabe. Das sind schon einmal Dinge, die mich stören würden. Rübentrockenschnitzel findet man häufig in Trockenfutter, es ist ein kostengünstiger Füllstoff und macht den Kot fest. Hat meiner Meinung nach nichts in Welpenbäuchen verloren. Hydrolysiertes Protein ist sehr weit aufgeschlossen (quasi „vorverdaut“) und wird für Allergiefutter gerne verwendet. Was für ein Protein verwendet worden ist, steht auch nicht dabei, oft werden hier Füße, Schnäbel, Kämme, Federn und sonstige minderwertige Bestandteile verarbeitet. Was für ein Tier hier verarbeitet wurde – keine Ahnung.

Es wurde hier Fischöl und Sojaöl verarbeitet. Was für ein Fisch? Sojaöl wird hier wahrscheinlich deshalb verwendet, weil es ein kostengünstiger Omega-6-Fettsäurenlieferant ist.

Ein paar Polysaccharide werden zugesetzt, die wahrscheinlich helfen sollen das Darmmilieu aufzubauen. Butyrat ist eine Fettsäure, die als Energiequelle für Darmzellen dienen soll.

Lutein ist ein Carotinoid, der in der menschlichen Ernährung unter der E-Nummer E 161b als gelb-oranger Farbstoff bekannt ist. Im Körper kommt Lutein im gelben Fleck („Makula“) im Auge vor. Unverarbeitet kommt Lutein beispielsweise als gelber Farbstoff im Eidotter vor oder auch in grünem Blattgemüse.

Hier wird eine komplette Ration in den kleinen Welpen geballert, der noch keinen von diesen Nahrungsbestandteilen kennt. Alles auf einmal. Die Proteine haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine hohe Qualität, Kohlenhydrate werden beim Welpen einfach wieder hinten rauskommen. Das, was mich am meisten stört ist, dass man null Kontrolle darüber hat, wie viel von was im Welpen landet.

Ich möchte einen Vergleich mit dem Menschen machen: würdest du deinem Baby als erste feste Nahrung eine komplette Mahlzeit, meinetwegen in pürierter Form, anbieten? Man fängt hier in der Regel auch erstmal mit einem Lebensmittel an.

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